Qualität und Erfolg des neuen Romans von Wolf Haas „Wackelkontakt“ hat uns veranlasst, nach einem früheren lustigen Roman des Autors zu fahnden, der kein Brenner-Krimi ist. Dabei sind wir unter anderem auf „Junger Mann“ aus dem Jahr 2018 (Hoffmann und Campe, TB, 238 S.,14 Euro) gestoßen.
Darin berichtet Haas, offenbar auf autobiographischer Spur und durchgehend außerordentlich humorvoll, über einen 12-Jährigen, der in Österreich während der Schulferien als Tankwart arbeitet und entschlossen ist, mit Hilfe seiner Mutter gegen sein Übergewicht (93 Kilo) vorzugehen. Ein Kunde der Tankstelle ist der Speditionsfahrer Tscho, der mit dem Lastwagen weite Fahrten, etwa nach Teheran durchführt. Während er kontinuierlich abnimmt, verliebt sich der Jungmann bis über beide Ohren in Elsa, die schöne, junge Frau des Tscho, die trotz des Altersunterschieds schon bald und wiederholt Kontakt mit ihm aufnimmt, wobei er sie in die englische Sprache einweiht.
Eines Tages bietet Tscho, der von Elsa über alle Details ihrer (harmlosen) Beziehung zu dem jungen Tankwart unterrichtet worden ist, diesem an, ihn gegen eine gute Entlohnung auf einer Speditionsfahrt unter anderem nach Griechenland als Dolmetscher zu begleiten – ein Angebot, das gern angenommen wird. Es beginnt eine Roadnovel, in der sich Einiges über Tschos Vergangenheit und Zustand offenbart, das hier nicht verraten sei.
Das Ganze endet mit einer Abnahme von 15 Kilo in einem ansonsten kaum glaubhaften Happy End, aber bis dahin hat sich der Leser – nicht zuletzt wegen der vielen witzigen Einfälle und der Sprachkunst des Autors – prächtig unterhalten. Auch die vorliegenden früheren Rezensionen waren überwiegend äußerst positiv.